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Herzinfarkt

Nach einem Herzinfarkt benötigen Sie in der Regel regelmässige kardiologische Betreuung einerseits um durch die optimale Behandlung der Risikofaktoren ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, andererseits sollte je nach Grösse des erlittenen Herzinfarktes die Pumpleistung des Herzens (die sog. Auswurfleistung) meist mittels Ultraschalluntersuchung gemessen und deren Verlauf beurteilt werden. Nach einem grösseren Herzinfarkt ist es nicht selten zu beobachten, dass auch ohne Beschwerden die Herzfunktion langsam abnimmt. Eine Behandlung sollte aber schon bei auch nur geringer Pumpleistungsschwäche begonnen werden, selbst wenn Sie noch keine Symptome verspüren. Je nach Risikoprofil und Symptomen sollten auch regelmässige Belastungstests zum Nachweis/Ausschluss einer wieder aufgetretenen Durchblutungsstörung vorgenommen werden.

Herzdurchblutungsstörung (Angina pectoris)

Eine Durchblutungsstörung des Herzens führt meist, aber nicht immer, zu Symptomen, die typischerweise unter Belastung als Druck hinter dem Brustbein teilweise mit Ausstrahlung in die Arme und verbunden auch mit Atemnot empfunden werden. Wenn Sie mehrere Risikofaktoren aufweisen wie zum Beispiel familiäre Häufung von Herzproblemen, Zuckerkrankheit, hohes Cholesterin, erhöhter Blutdruck, Rauchen, Bewegungsmangel etc. sind auch nicht typische Symptome ein Grund, dies weiter mittels Belastungstest abzuklären. Welcher Belastungstest am besten geeignet ist, wird vom Arzt bestimmt und hängt von verschiedenen Zusatzfaktoren wie vor allem das Bestehen von Begleiterkrankungen ab.

Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern, Extrasystolen)

Die häufigsten Herzrhythmusstörungen stellen die sogenannten Extrasystolen dar. Diese sind harmlos und erfordern in der Regel keine Behandlung, können aber nicht minder störend und sogar beängstigend empfunden werden. Bei Vorliegen einer vorbestehenden Herzerkrankung treten Rhythmusstörungen wie zum Beispiel Vorhofflimmern gehäuft auf und erfordern nicht selten selbst bei Fehlen von Symptomen eine entsprechende Abklärung und Behandlung. Diese Abklärungen umfassen in der Regel die Suche nach einer Herzerkrankung mittels Ultraschall und ev. Belastungstest sowie den Nachweis der vermuteten Rhythmusstörung. Hier ist je nach zu erwartender Häufigkeit dieser Rhythmusstörung eine EKG-Aufzeichnung über 24 Stunden , 48 Stunden oder sogar bis zu 7 Tagen empfohlen und indiziert.

Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Das typische Symptom einer Herzschwäche stellt die Atemnot dar, wobei das Ausmass der Herzschwäche nicht immer mit dem Schweregrad der Erkrankung korrelieren muss. Hier ist es besonders wichtig die Ursache der Herzschwäche zu identifizieren, um die bestmögliche Behandlung einleiten zu können. Ursachen können der Zustand nach einem Herzinfarkt und Rhythmusstörungen, eine erworbene (z.B. virale) oder angeborene Herzmuskelschwäche aber auch ein Herzklappenfehler oder auch eine angeborene Herzmuskelerkrankung (so genannte Kardiomyopathie) sein. Neben der Kontrolle und Überwachung der Pumpfunktion des Herzens kommt der Optimierung der Therapie eine Schlüsselrolle zu.

Erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie)

Ein erhöhter Blutdruck ist in der Bevölkerung sehr häufig anzutreffen. In der Regel gilt ein Blutdruck über 160/95mmHg als sicherlich behandlungsbedürftig, ab einem Wert über 140/90mmHg sollte eine Behandlung zumindest mit einem Arzt diskutiert werden. Der Grenzwert, der eine Behandlung erfordert, ist nicht bei allen Leuten gleich und wird im Zusammenschau aller kardiovaskulärer Risikofaktoren festgelegt. So gelten zum Beispiel bei gewissen Krankheiten der Hauptschlagader tiefer Grenzwerte. Zudem gilt, dass der Nachweis eines so genannten Endorganschadens (unter anderem die Verdickung der Muskulatur der linken Herzkammer mittels Ultraschalluntersuchung) eine raschere und intensivere und damit meist auch medikamentöse Therapie erfordert.
Die Behandlung der arteriellen Hypertonie basiert auf der Korrektur der prädisponierenden Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und Rauchen, benötigt aber meist auch eine medikamentöse Therapie, zumal die Korrektur der Risikofaktoren schwierig und langwierig ist und mit zunehmendem Alter ohnehin der Blutdruck weiter ansteigt. Immerhin gilt aber die Regel, dass der untere (diastolische) Blutdruck pro Kilogramm Gewichtsreduktion um 1-2 mmHg gesenkt werden kann.
Der Blutdruck ist stark von der Situation abhängig, in der er gemessen wird. Bei Stress, Schmerzen und Aufregung (dazu zählt auch der Arztbesuch selber) sowie unter Belastung steigt er normalerweise an, ohne dass dies eine krankhafte Erhöhung darstellen muss. Entsprechend wichtig ist es, dass der Blutdruck korrekt gemessen wird, das heisst im Sitzen und nach 10 Minuten Pause. Nach Belastung sollte sogar eine Pause von 30 Minuten eingelegt werden. Zudem sollte die Beurteilung auf dem Durchschnitt mehrer Werte basieren nach dem Motto: „Eine Wert ist kein Wert“.

Herzklappenerkrankungen

Das menschliche Herz besitzt insgesamt vier Herzklappen (je zwei im rechten und im linken Herzen), von denen alle verschiedene Krankheiten aufweisen können: sie kommen angeborene Missbildungen, Entzündungen (sog. Endokarditis) sowie meist altersbedingte Degenerationen vor. Je nach Art der Erkrankung und der erkrankten Klappe können verschiedene Symptome wie Atemnot, Rhythmusstörungen, Druck auf der Brust und Ohnmachtsanfälle (so genannten Synkopen) auftreten. Generell gilt aber, dass Symptome meist erst im Endzustand der Herzklappenerkrankungen auftreten, wohingegen sie sich meist bereist im symptomfreien Intervall durch ein auffallendes Herzgeräusch äussern können. Entsprechend sollten neue und auffallende Herzgeräusche zunächst mittels einer Ultraschalluntersuchung des Herzen (sog. Echokardiografie) weiter abgeklärt werden. Diese Untersuchung gilt heute als der goldenen Standard bei der Abklärung von Herzklappenerkrankungen, zumal diese Untersuchung sehr gut die erkrankte Klappe, die Art aber auch den Schweregrad der Erkrankung und damit die Prognose sowie die Notwendigkeit der weiteren Abklärung/Operation definieren kann und zudem ohne Strahlenbelastung ambulant ohne weitere Vorbereitungen in der Arztpraxis durchgeführt werden kann.

Erkrankungen der Hauptschlagader (Aorta)

Die Hauptschlagader des Menschen (Aorta) ist die grösste Arterie und entspringt direkt aus der linken Herzkammer. Leider stellen Erkrankungen der Aorta in den allermeisten Fällen eine Zufallsdiagnose dar, da sie meist ohne Symptome einhergehen. Trotzdem können Ausweitungen so genannte Aneurysmen durch einen Einriss, der dann allerdings starke Schmerzen im Bereiche des Brustkorbes und des Rückens verursachen kann, potentiell lebensgefährlich sein und können somit auch schon im symptomfreien Zustand eine weitere Abklärung und je nach Ausmass und Situation auch eine Operation erfordern. Sollte noch keine Operationsindikation bestehen, ist meistens eine regelmässige, meist 1-jährliche Kontrolle der Aortendimensionen empfohlen
Es kommen auch so genannte degenerative Veränderungen wie Kalkablagerungen vor, die – wenn sie abreissen – mit dem Blutstrom fortgetragen werden und in den sich verjüngenden Gefässen zu einem Verschluss (Embolie) führen können. Nicht selten kann so auch eine Streifung oder ein Schlaganfall entstehen.

Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)

Die Herzmuskelerkrankungen kann man in angeborene und erworbene einteilen. Bei den angeborenen sind die Patienten meist jünger als bei den erworbenen. Am häufigsten sind hier eine Verdickung des Muskels der Herzkammer (hypertrophe Kardiomyopathie) oder eine Ausweitung mit Verschlechterung der Funktion (dilatative Kardiomyopathie) zu finden. Es existieren aber noch verschiedene weitere, seltenere Krankheiten.
Bei den erworbenen lässt sich meist eine Grunderkrankung finden, die zu diesen Veränderungen geführt hat und entsprechend die Behandlung beeinflusst.
Die Symptome sind hier sehr variabel, reichen sie doch von beschwerdefreiem Patienten bis hin zum plötzlichen Herztod. Es gilt hier insbesondere Risikogruppen (familiär bekannte Kardiomyopathien, unklare Ohnmachtsanfälle) zu untersuchen. Auch hier stellt die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) die beste Methode dar, im Sinne eines Screenings aber auch um den Verlauf zu kontrollieren. In speziellen Fällen können weitere Untersuchungen wie MRI des Herzens oder Herzkatheteruntersuchungen sinnvoll sein.

Kontrollen nach Herzoperationen oder anderen Herzeingriffen

Nach einer Herzoperation oder Eingriffen mittels Herzkatheter sind meist regelmässige kardiologische Kontrollen notwendig. Nach einer Bypass-Operation oder einer Stentimplantation sollten die kardiovaskulären Risikofaktoren nach den neuesten internationalen Richtlinien optimal eingestellt sein um ein Wiederauftreten von Gefässeinengungen (Stenosen) möglichst zu verhindern. Belastungstest dienen dazu den Trainingszustand und die Leistungsfähigkeit zu testen (überprüfen) und eine Minderdurchblutung des Herzens zu erkennen.
Nach Herzklappenoperationen sollte die Funktion der operierten Klappe mittels Echokardiographie teilweise auch mit Belastungstest überprüft werden. Auch hier sind immer wieder Anpassungen an die internationalen Richtlinien zum Beispiel bezüglich Endokarditisprophylaxe, Einstellung der Antikoagulation etc. notwendig.
Eingriffe mittels Herzkatheter können zum Beispiel dazu dienen Gefässeinengungen aufzudehnen aber auch gewisse Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder paroxysmale Reentry-Tachykardien zu beheben. Kontrollen dienen hier vor allem dazu im Langzeitverlauf den Therapieerfolg zu erkennen oder aber ein Wiederauftreten der Rhythmusstörung zu erkennen.

Kardiologische Abklärungen vor nichtkardiologischen Operationen

Bei jeder anstehenden Operation muss der Nutzen gegenüber dem Risiko abgewogen werden. Hier spielen Herz-Kreislauferkrankungen zur Abschätzung des Risikos gerade vor grossen Operationen wie zum Beispiel peripheren Gefässoperationen oder orthopädischen Operationen (Gelenksersatz) eine wichtige Rolle. Meist benötigen die Narkoseärzte zur Beurteilung der Operabilität noch vor der Operation eine Bestimmung der Herzleistung und/oder einen Ausschluss einer Herzmuskeldurchblutungsstörung. Da diese Untersuchungen Zeit benötigen, sollten diese Abklärungen möglichst frühzeitig vor der geplanten Operation in die Wege geleitet werden.

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